Re: Tierfreunde
12. Dezember 2011 12:56
Bendert Mitglied seit: 31.10.10
Anzahl Beiträge: 2505
Gell, Alpenrocker,
Du hast die Frage nicht verstanden, oder? Es geht hier nicht um das Für und Wider der Reiterei, sondern darum, in welcher Form "Tierfreunde" in diversen Foren zu Themen Stellung nehmen, von denen sie keine Ahnung haben und ob das im Interesse der Tiere ist?
Allerdings kann ich nicht anders, ich muß auf Deinen Kommentar, auch wenn er nicht das Thema sein sollte, eingehen, weil er sachlich nicht richtig ist. Cypriano war meines Wissens hannöversch gezogen. Von Hickstead weiß ich es nicht, ich bin kein ausgesprochener Warmblut-Fan. Allerdings weiß ich, daß keine andere Art oder Rasse von Pferden eine vergleichbar breite Zuchtbasis hat wie die im Sport eingesetzten Warmblüter. Hier von "Überzüchtung" als Ursache für einen Aorta-Abriß zu sprechen, ist schlicht abwegig.
Es mag sein, daß manche Zuchtlinien (oder auch manche Rassen) eine erhöhte Neigung zum Abriß mitbringen. Allerdings ist das Problem eben gerade nicht rassespezifisch (d.h. es kommt bei allen Pferden vor) und man kann davon ausgehen, daß, sollte das Problem in bestimmten Linien gehäuft auftreten, man bestimmte Anpaarungen als Züchter vermeiden wird. Ebensowenig ist es belastungsabhängig, der Trainingszustand spielt dabei keine Rolle.
Das Risiko des Aorta-Abrisses ist meines Wissens nur bei Albinos signifikant erhöht. Allgemeine Herzprobleme hingegen sind bei manchen Rassen verbreitet, allerdings zählen gerade die Warmblutrassen, die im Sport eingesetzt werden, nicht dazu. Das einzige Warmblut mit erhöhtem Risiko für Herzprobleme, das mir spontan einfällt, ist der Friese. Hier liegt das Problem in einer Kombination aus einer leider sehr engen Zuchtbasis mit sehr hohem Inzuchtfaktor und der - tatsächlichen oder vermeintlichen - Notwendigkeit, aus einem sehr schweren Warmblut einen leichteren, sportlicheren Typ mit vielseitigeren Einsatzmöglichkeiten zu züchten. Ansonsten sind Herzprobleme vor allem bei Kaltblütern verbreitet, die ebenfalls nur eine schmale Zuchtbasis haben.
Was das Springen angeht: es gibt Pferde, die es gerne tun. Nur solche Pferde haben dauerhaft Erfolg, sind motiviert und arbeiten mit. Gerade im Spitzensport wird man ansonsten keinen der vielzitierten Blumentöpfe gewinnen. Ich selbst springe äußerst ungern, es ist absolut nicht mein Sport. Allerdings hatte ich einmal ein Pferd, das an keinem Hindernis vorbeikonnte, je höher und weiter - je lieber. Dieses Pferd war nur glücklich, wenn es wenigstens gelegentlich mal über ein paar Baumstämme springen konnte, und wenn ihn mal jemand geritten hat, der seine Freude am Springen teilte, lebte dieses Pferd regelrecht auf. Es war für ihn Spaß pur (er ist übrigens bei guter Gesundheit 30 Jahre alt geworden und mußte dann wegen eines Tumors eingeschläfert werden).
Es gibt auch Menschen, die an manchen Dingen Freude haben, die anderen ein Graus wären: der eine liebt lange Wanderungen, der andere geht lieber schwimmen und der nächste springt an lächerlich langen Gummiseilen von hohen Brücken. Ein jeder nach seiner Facon, das gilt auch für Pferde. Gottlob sind nur wenige verrückt genug, um aus einem Kaltblut ein Rennpferd machen zu wollen.
Wenn wir heute über Pferde sprechen, dürfen wir nicht vergessen, daß wir über Tiere reden, die beinahe genauso lange domestiziert sind wie der Hund. Wir sprechen nicht über Wildpferde, es gibt keine echten Wildpferde mehr (von Zebras mal abgesehen)! Es gibt an wenigen Orten der Welt freilebende Pferde - Abkömmlinge von Reitpferden oder mehr oder minder zufällige Kreuzungsprodukte aus Reit- und Wildpferden. Wenn man heute Wölfe und Hunde vergleicht, stellt man fest, daß beide mancherlei gemeinsam haben, sie aber sicher nicht zu vergleichen sind. Eine Folge tausender Jahre von Zucht und Auslese. In einem Reitpferd von heute steckt genauso viel Wildpferd, wie Wolf in einem Dackel. Ich denke, über den Sport sollte man erst diskutieren, wenn man das Klischee vom lufttrinkenden, edlen Geschöpf aus dem Kopf hat und sich darauf verständigt hat, das man es hier nicht mit einem seiner Freiheit beraubten Wildtier, sondern mit einem vom Menschen geprägten Haustier zu tun hat.
Dafür, daß das eigentlich gerade nicht das Thema war, ist der Beitrag verflixt lang geworden, Donnerzwirn!
Liebe Grüße!
Bendert